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Der Hai im Workshopraum
Warum KI-Trainings oft scheitern, bevor der erste Prompt steht. Und was das mit Schutz zu tun hat.

Mit Midjourney generiert
Heute im Newsletter
KI-Adoption scheitert selten am Prompt, sondern am Schutzmodus im Kopf. Drei Rollen im Workshop und was wirklich dahinter steckt.
3 Prompts für dein KI-Jahresreview, das deinen Chatverlauf gnadenlos auf Muster checkt.
Rabbit Holes, zwei neue Podcastfolgen und die AI Retreat Termine 2026 mit Early Bird bis 28. Februar.
Ich bringe Menschen KI bei, während ihr Gehirn schon auf Alarm steht. Das ist, als würdest du Schwimmen unterrichten, während ein Hai im Becken kreist. Du kannst die Technologie noch so sauber erklären. Das Nervensystem hat andere Prioritäten.
Wer schwimmt, wer blockt, wer nickt
Ich gebe KI-Workshops in großen und kleinen Firmen. Viele starten bei null. Ich zeige dieselben Grundlagen. Ich stelle dieselben Aufgaben. Und trotzdem passiert jedes Mal etwas anderes im Raum.
Da sind die Begeisterten. Sie haben ChatGPT/Copilot/Gemini längst ausprobiert, sehen Potenzial überall und lehnen sich vor, bevor ich den ersten Satz sage.
Dann gibt es die Skeptiker. Einer in der dritten Reihe verschränkt die Arme, bevor der Beamer läuft. Ohne KI sei er schneller, sagt er. Ausprobiert hat er noch nichts. Muss er auch nicht. Er weiß es einfach.
Und dann ist da die große Mitte. Sie verstehen das Thema, nicken höflich und haben leider gerade keine Zeit dafür. Sie würden gern. Sie können nur gerade nicht auch noch das. Vielleicht nächstes Quartal.
Der Hai heißt Identität
Ich unterrichte Skills. Aber Skills sind nicht das Problem.
Der Skeptiker mit den verschränkten Armen bewertet kein Tool. Er verteidigt etwas. Seine Art, gut zu sein, seine Identität. Dieses leise innere „Ich hab das im Griff“.
Warum reagiert er so heftig auf eine neue Technologie?
Weil das Gehirn Identitätsbedrohung nicht als Meinungsverschiedenheit verarbeitet.
Vieles spricht dafür: Wenn wir uns in dem bedroht fühlen, wer wir sind, springt im Gehirn Alarm an. Das kann sich ähnlich anfühlen wie körperlicher Schmerz. Kein Witz. Das Gehirn unterscheidet nicht sauber zwischen „Tiger greift an" und „Meine Kompetenz wird in Frage gestellt".
Evolutionär ergibt das Sinn. Wer aus der Gruppe flog, hatte früher ein echtes Problem. Also behandelt das Gehirn soziale Bedrohung wie eine Überlebensfrage.
Wenn jemand hört “KI kann Texte schreiben/Designs erstellen/Daten analysieren”, hört das Gehirn nicht nur Information. Es hört Gefahr. Und bei Gefahr verteidigen wir uns.
„KI kann das nicht." „Ohne bin ich schneller." Sätze, die wie Argumente klingen, aber wie Schutz funktionieren. Das Gehirn macht die Bedrohung klein, bevor sie Schaden anrichten kann.
Man kann darüber diskutieren. Man kann auch etwas anderes sehen: Diese Sätze machen den Hai kleiner. Sie geben wieder Boden unter die Füße.
Und die „Keine Zeit"-Fraktion?
Meine Hypothese: Chronischer Stress frisst kognitive Kapazität. Wenn dein Nervensystem ständig nach Bedrohungen scannt, bleibt wenig übrig für Neues. „Keine Zeit" ist vielleicht der ehrliche Statusbericht eines überlasteten Gehirns.
Keine dieser Reaktionen ist ein Charakterfehler. Verschränkte Arme, höfliches Nicken. Alles Schutz. Völlig menschlich.
Das Problem ist eine Industrie, die Prompting-Kurse verkauft, als wäre das die Lösung. Ich gehöre dazu. Wir bringen Menschen Skills bei, deren Nervensystem gerade auf Alarm steht. Großartige Idee.
Der Hebel vor dem Prompt
Aber wenn man das erstmal versteht, ändert sich etwas. Du bemerkst den Alarm, statt ihm zu folgen. Das nennt sich Metakognition: die eigene Reaktion beobachten, während sie passiert.
Und ja, es gibt Hinweise aus der Forschung, dass schon das Benennen einer Bedrohungsreaktion sie abschwächt. „Ah, mein Gehirn macht gerade das Schutzding" ist etwas anderes als “KI ist überbewertet.”
Wenn du merkst, dass du Gegenargumente sammelst, bevor du es ausprobierst, wechsel die Frage. Frag nicht „Stimmt meine Kritik?“. Frag „Was verteidige ich gerade?
KI-Adoption ist kein Skills-Problem.
Es ist ein Identitätsproblem.
KI-Adoption ist kein Skills-Problem. Es ist ein Identitätsproblem.
Und klar: Ich verkaufe auch Workshops in einer Welt voller Alarmhirne. Man könnte sagen, ich bin Teil des Problems.
Mein kleiner Trost: Man kann trotzdem Schwimmen lernen, auch wenn man Angst hat. Man muss nur aufhören, so zu tun, als wäre kein Hai im Becken.
Prompt Tipp für dein KI-Jahresreview
Jahresende = Reflexionszeit. Das gilt auch für deine KI Nutzung. Diese drei Prompts lassen die KI deinen kompletten Chatverlauf durchforsten und zeigen dir ganz unverblümt, wo du vage warst, Kontext vergessen hast, oder mitten im Chat die Richtung gewechselt hast. Für mich war das ein Augenöffner.
Prompt 1: Die Bestandsaufnahme
Du hast Zugriff auf unseren kompletten Chatverlauf. Durchforste unsere bisherigen Gespräche und zeig mir gnadenlos, wo ich nervig, ineffizient oder schwer zu handhaben war. Benenne konkret: Wo habe ich keinen Kontext geliefert? Wo bin ich zu schnell zwischen Ideen gesprungen? Wo habe ich mitten in der Arbeit die Richtung gewechselt? Wo war mein Feedback unbrauchbar? Wo habe ich Anfragen gestellt, die unmöglich umzusetzen waren?
Sei direkt und ungeschönt. Zitiere meine Worte wörtlich und erklär, was an meiner Anfrage falsch war, welche Annahme oder Gewohnheit dahintersteckt, und wie das die Qualität unserer Zusammenarbeit verschlechtert hat.
Keine Verallgemeinerungen, kein Beschönigen, kein Ego-Schutz. Ziel ist es, die Muster offenzulegen, mit denen ich gute Arbeit versehentlich sabotiere.
Prompt 2: Der Interventionsplan
Erstell mir basierend auf den Mustern, die du gerade aufgedeckt hast, einen konkreten Plan. Für jede Angewohnheit brauche ich:
(1) Den Auslöser - was triggert dieses Verhalten?
(2) Was ich stattdessen tun sollte - konkrete Alternative
(3) Eine einfache Frage, die ich mir in dem Moment stellen kann, um das Muster zu durchbrechen
Mach daraus eine Anleitung, die ich tatsächlich anwenden kann.
Prompt 3: Die Custom Instruction
Schreib mir basierend auf den erkannten Mustern eine kurze Anweisung, die ich in deine Custom Settings einfügen kann. Sie soll dich instruieren, auf diese Tendenzen zu achten und mich zu stoppen, wenn du sie bemerkst.
Halte es prägnant, maximal 200 Wörter. Die Anweisung soll dich ermächtigen, mich zu unterbrechen und Klarheit einzufordern, bevor du einfach machst, was ich sage.
Rabbit Hole Links
KI-Texte = langweilig? Von wegen! Prompt-Expertin Anne-Kathrin Gerstlauer zeigt in diesem Deep-Dive Podcast, wie du mit ChatGPT & Co. bessere Texte schreibst.
Anthropic ließ ihre KI einen echten Mini-Supermarkt im Büro führen: Claudius musste selbstständig Produkte beschaffen, Preise kalkulieren, Inventar checken und Kunden bedienen. Das wilde Experiment Project Vend zeigt, wie nah (und wie seltsam) die Zukunft ist, in der AI autonom Läden managt.
KI war gestern gut in Minuten-Aufgaben, morgen übernimmt sie gefühlt wochenlange Projekte. Update von METR: Die Länge der Tasks, die autonome KI-Agenten zuverlässig erledigen, verdoppelt sich alle 7 Monate. Aktuell schafft Claude Opus 4.5 Aufgaben bis zu einer Länge von 4.49 Stunden. Der exponentiellen Trend hält an. Crazy and a bit scary.
Insanely Human Podcast
Diesmal zwei neue Folgen:
Richard Chapman über KI als Rohmaterial statt Effizienz-Maschine, warum der "Messy Middle" das Wertvollste am Kreativprozess ist und wie "What If"-Denken dein neuer Skill wird (auf Englisch).
Antje Rach über Laptop-Apnoe (ja, du hältst beim Prompten die Luft an), warum dein Nervensystem bei KI-Arbeit im Freeze hängt und wie 4-4-Resonanzatmung dich wieder erdet.
Zu hören bei Spotify und Apple Podcast
AI Retreat 2026: Termine und Plätze
Dieses Jahr wird's eng: Wir haben insgesamt 40 Plätze für alle AI Retreats 2026. Wer dabei sein will, sollte nicht zu lange überlegen (oder hoffen, dass die anderen das tun).
Wer sich bis 28. Februar bewirbt, bekommt den Early Bird Tarif von 1.450 € zzgl. MwSt. Danach liegt der Preis bei 1.750 € zzgl. MwSt.
Im Preis enthalten sind das komplette 3-Tages-Programm, Arbeitsmaterialien, Community-Zugang, Mittagessen, 3-Gänge-Bio-Dinner und Getränke während des Programms. Du bekommst eine offizielle Weiterbildungsrechnung.
Die Unterkunft buchst du direkt im Bio-Hotel Seinz (295 € für 2 Nächte mit Frühstück).
Die Termine 2026:
30. Jan – 01. Feb (Offen)
05.–08. Feb (Exklusiv für Coaches & Trainer, hier gilt noch der alte Preis: 1.450 €)
15.–17. Mai (Offen)
12.–14. Juni (Offen)
16.–18. Oktober (Offen)
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Genug für heute. Handy weg und rein ins analoge Leben.
Habt wundervolle Feiertage,
Eure Steffi
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