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Reid Hoffman, Brené Brown und sechs andere sitzen in meinem Terminal.

Willkommen in meinem KI-Agenten-Boardroom.

Heute im Newsletter

  • KI gibt dir Konsens. Was du brauchst, ist Streit. Wie ich mir einen KI-Agenten-Boardroom gebaut habe

  • Drei Prompts, die dasselbe ohne Boardroom tun.

  • Rabbit Holes, Podcast, AI Retreat 2026 und Claude Code Meetup.

KI-Chats sind gut darin, dir das Gefühl zu geben, du hättest nachgedacht.

Du fragst deine Lieblings-KI: „Soll ich den Vortrag für umsonst halten?" Du bekommst eine vernünftig klingende Antwort:

ChatGPT lieferte eine Checkliste. Gemini eine längere, mit Tabelle und dem Angebot, gleich eine höfliche Absage zu formulieren. Claude einen visuellen Entscheidungsbaum und hat mich als einziges nach mehr Kontext gefragt. Immerhin.

Alle drei nützlich. Aber am Ende wollen sie alle dasselbe: die Frage beantworten und fertig. Niemand hat mich auf etwas gebracht, das ich nicht schon kannte.

Eine einzelne KI will einen runden Abschluss. Sie bügelt den Widerspruch weg, genau da, wo es spannen wird. Du brauchst jemanden, der sagt: „Das ist kompletter Blödsinn." Und jemanden, der sagt: „Du denkst viel zu klein." Und eine dritte Stimme, die fragt: „Was willst du damit eigentlich sagen?" Alle drei gleichzeitig und mit Zugriff auf deinen echten Kontext.

Mein Monkey-Brain bekommt das manchmal halbwegs hin. Viele Stimmen, die sich gegenseitig anschreien, selten hilfreich, aber zumindest ohne falsche Sicherheit. Jetzt habe ich acht KI-Stimmen, die sich gegenseitig anschreien. Fortschritt.

Reid Hoffman und Brené Brown sind zwei davon. Und die beiden sind sich selten einig.

Was der /boardroom macht

Mein KI-Boardroom: Reid Hoffman, Alex Hormozi, Paul Graham, Brené Brown, Seth Godin, Mel Robbins, Dan Koe und Dario Amodei.

Jeder mit einer eigenen Persona-Beschreibung: wie dieser Mensch denkt, was ihm wichtig ist, wo seine typischen Scheuklappen liegen. Und jeder mit Zugang zu meinem tatsächlichen Geschäftskontext als Dateien, lokal auf meinem Rechner. Meine Strategie, meine Zielgruppen, meine Preise, meine Grenzen. Claude Code liest sie direkt. Das Ergebnis landet als Markdown-Datei in einem Ordner auf meinem Rechner.

Ich tippe meine Frage ins Terminal und starte /boardroom. Claude Code übernimmt – kein Chat-Fenster, kein manuelles Hin-und-Her. Das System läuft durch, ich schaue zu.

Runde 1: Alle acht arbeiten isoliert. Kein Gruppendenken. Jeder schreibt seine Position.

Runde 2: Jeder Agent liest alle anderen sieben Positionen und antwortet. Erst hier entsteht der eigentliche Austausch.

Acht Agenten, die sich gegenseitig widersprechen. Erinnert mich an meine Jungs. Nur dass hier am Ende eine Markdown-Datei rauskommt.

Wie ich aufgehört habe, nach Tagesform zu entscheiden

Eine Konferenz bat mich, umsonst zu sprechen. 200 Personen. Professionelles Videomaterial. Keine Gage.

Ohne Boardroom hätte ich vermutlich eine Pro-Contra-Liste gemacht – und je nachdem, in welcher Zyklusphase ich gerade war, hätte ich zu- oder abgesagt. Beides wäre möglich gewesen. Beides hätte sich richtig angefühlt.

Ich wollte eine Antwort, unabhängig von meinem Hormonspiegel. Also habe ich meinen KI-Boardroom gefragt.

In Runde 2 las Brené Brown Reid Hoffmans Argument und änderte ihr Votum: „Reids Unterscheidung zwischen Reichweite aufbauen und aus Mangel handeln hat mich getroffen. Mein Nein galt der Haltung, nicht der Gelegenheit."

Das Wertvollste war nicht die Antwort. Die Frage hatte sich verändert – von „ja oder nein" zu „was muss stimmen, damit das meiner Strategie dient?"

Ich habe zugesagt. Mit klaren Bedingungen.

Was sich geändert hat

Früher: Chat-Fenster aufmachen, glatte Antwort bekommen, mich unwohl fühlen, anders fragen, leicht andere Antwort, mehr Verwirrung als vorher.

Heute sehe ich Perspektiven, die ich alleine nicht gesehen hätte, weil ich meinen eigenen Bias kenne, aber nicht immer überwinden kann. Acht Stimmen, die meinen Kontext kennen, aber keine spiegelt mir zurück, was ich hören will. Manche zeigen mir, wo ich blind bin. Manche erinnern mich daran, was ich kann. Manche bremsen mich, bevor ich Zeit und Energie in die falsche Richtung stecke.

Am Ende entscheide immer noch ich. Aber mit mehr als meinem eigenen Blickwinkel.

KI wird erst dann wirklich nützlich, wenn sie aufhört, dir immer recht zu geben. Der Boardroom ist nicht das Ziel. Die Frage dahinter ist: Wem vertraust du, wenn du dir selbst nicht vertrauen kannst?

Übrigens - der Boardroom ist beim Friseur entstanden. Produktivstes Haareschneiden meines Lebens.

Prompt Tipp - auch ohne Claude Code und Terminal

Prompt 1: Die unbequeme Wahrheit 
Wenn du eine Entscheidung vor dir herschiebst und weißt, dass du dir etwas nicht eingestehst:

 "Was gestehe ich mir bei dieser Entscheidung nicht ein?"

Prompt 2: Blinde Flecken sichtbar machen 
Wenn du zu lange an einer Sache sitzt und zu nah dran bist:

"Ich beschreibe dir die Situation. Was würde jemand von außen sofort sehen, was ich wahrscheinlich übersehe?"

Prompt 3: Reibung statt Konsens
Wenn du eine ausgewogene Antwort bekommst, die dich nicht weiterbringt:

"Vergiss die ausgewogene Antwort. Was spricht wirklich dagegen? Sei so kritisch wie möglich."

  • Kino war gestern, jetzt erstellt Seedance 2.0 kurze Filme, bei denen selbst hartgesottene Reddit-Nutzer vergessen, dass sie KI schauen: Multi-Shot-Szenen, konsistente Charaktere, echtes cinematisches Gefühl. Die Reaktionen reichen von "augenöffnend" bis "erschreckend" - und das mit einer Story, die einen schon nachdenklich macht.

  • Prompt Engineering war gestern, die beste Antwort auf KI ist laut Dr. Sam Illingworth eine Bibliothekskarte: Wer KI-Output nicht kritisch bewerten kann, hat ein Literalitätsproblem, kein Technologieproblem. Während weltweit Bibliotheken schließen und Milliarden in KI-Literacy fließen, übersehen wir, dass das Fundament fehlt: langsames, kritisches Lesen. Absolute Empfehlung, inkl. Buchempfehlung basierend auf die eigene KI Nutzung.

  • KI-Burnout war gestern, jetzt heißt das "Agentic Burnout": Steffi erklärt im Work/Code-Interview mit Markus Albers, warum das größte Hindernis bei der KI-Nutzung nicht die Technologie ist, sondern unsere eigene Psychologie und warum sie inzwischen Bäume umarmt, um mit dem 24-Stunden-Update-Takt der KI-Tools mithalten zu können. Ein augenöffnendes Gespräch über Corporate-KI-Fatigue, Tech-Feudalismus und die Frage, wer am Ende die Verantwortung trägt.

AI Retreat 2026

Es gibt für 2026 noch ganz wenige Plätze:

  • 15. - 17. Mai 2026

  • 16. - 18. Oktober 2026

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Insanely Human Podcast

Dennis Fischer und ich blicken zurück auf ihre intensiven AI-Retreats und destillieren 5 Kernprinzipien heraus, wie wir in einer KI-getriebenen Welt nicht nur überleben, sondern führen.

Max Hirschl spricht darüber, wie du KI nicht als Bedrohung, sondern als evolutionären Schritt begreifst und wie du dich und dein Unternehmen aktiv dafür aufstellst.

Zu hören bei Spotify und Apple Podcast

Claude Code Meetup

Nächste Meetups:

Mo, 23. März 2026 (leider schon voll):
https://luma.com/5abx5e5u

Mo, 20. April 2026:
https://luma.com/ujak3b5v

Bleibt neugierig (und im Gespräch),
Eure - Insanely human - Steffi

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